Interview mit Klemens Franz

24.01.2018 17:45

Liebe Leser,

es ist bereits einige Zeit her, dass ihr neben Neuankündigungen ein Interview auf unserer Seite lesen konntet. Nun ist es wieder soweit. Dieses mal ist es ein bekannter Illustrator aus der Branche und ich bin mir sicher, jeder von Euch hat mindestens ein Spiel zuhause in seiner Sammlung stehen, das er illustriert hat.

Uns hat Klemens Franz Rede und Antwort gestanden und uns einen kleinen Einblick in seine Arbeit ermöglicht. Spannung...Trommelwirbel...und hier das Interview.

Hallo Klemens,
erst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für's SpieleTaxi genommen hast.
Viele Spieler kennen deinen Namen von den Spielpackungen ganz großer Spiele, wie zum Beispiel Altiplano oder auch Agricola. Doch wer ist die Person hinter den Illustrationen:

Hallo! Wo fang ich an? Ich bin Ende 30, verheiratet und meine Frau und ich haben 5 Kinder. Wir leben im Südosten Österreichs. Seit 10 Jahren darf ich in der Spielebranche als Illustrator und Grafiker arbeiten. Hin und wieder lässt man meine Frau und mich dann auch als Autoren (im Kinderspielbereich) ran.
 

Während deiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH JOANNEUM in der Obersteiermark warst du bereits als Illustrator für Brett - und Kartenspiele tätig. Wie kam es, dass du in der Brettspielbranche Fuß gefasst hast?

Ich hab schon immer gespielt. Ich wollte es eigentlich als Autor versuchen - ich hatte sogar durchaus. vielversprechende Prototypen bei Hans im Glück und bei Adlung (dort sogar in der Endrunde), aber 2006 kam mir da dann der Agricola Auftrag „dazwischen“. Ich bin über einen kleinen Illustrationswettbewerb zu Lookout gekommen. Uwe und Hanno gefiel mein Stil.

Wie dürfen wir uns die Zusammenarbeit mit den Verlagen vorstellen. Bekommst du ein Thema für das Spiel vorgegeben und kannst dich dann recht frei entfalten oder gibt es sehr starre Vorgaben für die einzelnen Komponenten die du erfüllen musst?

Tatsächlich ist das von Spiel zu Spiel anders. Eine grundlegende Richtungsentscheidung gibt aber fast immer der Verlag vor. An einem Spiele arbeiten zwar relativ wenig Personen, diese dafür aber sehr intensiv und sehr direkt. Redakteur, Autor, Illustrator … alle bringen sich ein. Manchmal auch die Marketingabteilung oder der/die Art Director.

Wenn man ein neues Projekt annimmt, macht man sich ja erstmal mit diesem vertraut. Wie gehst du an ein neues Projekt heran und lernst es kennen?

Im Idealfall bekomm ich einen Prototypen oder kann das Spiel mit Autor und/oder Redakteur probespielen.

Nach dem du nun das Projekt kennst und weißt was es werden soll, wie gehst du so ein Projekt an und wie kann man sich den Ablauf bis zum fertigen Produkt vorstellen?

Ich suche mir meistens eine zentrale Komponente heraus (das kann eine Karte sein, oder ein Plan) und arbeite diese einmal aus. So etwas passiert immer im Dialog mit dem Verlag. Wenn das dann sitz, kann ich rundherum das restliche Spiel aufbauen.

Während deiner Arbeit an einem Spiel lernst du dieses schon in einer frühen Entwicklungsphase kennen. Beeinflusst das Spielen des Prototyps deine Arbeit an dem Projekt? Oder nimmst du mit deiner Arbeit sogar noch Einfluss auf die Entwicklung des Spiels?

Auch hier: Das ist immer wieder anders. Manchmal ergibt sich durch die Gestaltung tatsächlich noch was spieltechnisch Relevantes. Aber das Spielen des Prototyps beeinflusst meine Arbeit auf jeden Fall. Je besser ich das Spiel und die darin nötigen Handlungen kenne, desto besser kann ich die Gestaltung daran orientieren.

In den Arbeitsweisen der Kreative gibt es ja viele Unterschiede. Der Eine arbeitet am liebsten mit Stift und Papier, der Andere erarbeitet direkt am PC seine Illustrationen. Wie sieht es bei dir aus? Mit welcher Technik fertigst du deine Illustrationen an?

Mittlerweile zu 100% am Computer mit Zeichentablett und Grafikprogramm. Bei meinen ersten Spielen hab ich noch einiges am Papier gezeichnet, aber mittlerweile läuft das bei mir alles digital.

Wenn ich morgens ins Büro komme, mache ich erstmal den PC an, schaue E-Mails nach und mache mir dann einen Kaffee bevor es an die Aufgaben des Tages geht. Wie sieht dein normaler Tag im Atelier aus?

Ich steh meistens recht früh auf; zwischen 4 und 5, damit ich noch vor den Kindern und in Ruhe etwas arbeiten kann. Kaffee? Ja, auf jeden Fall. Und dann werden einmal die Mails gecheckt. Vorrangig die aus Übersee, da ich um die Zeit oft noch Leute am Rechner hab und so manches auch schnell erledigen kann. Das ist ein feiner Nebeneffekt des frühen Aufstehens.

Viele von uns kennen das sicher. Irgendeine Marotte hat man meist bei der Arbeit. Der eine kann nur arbeiten, wenn es ganz ruhig ist, der nächste arbeitet am liebsten im Café um die Ecke oder er kann am besten arbeiten, wenn der Schreibtisch zeitweise im kreativen Chaos versinkt, so wie ich. Wie kannst du dich am besten kreativ entfalten?

Ich bin ein großer Hörspiel-Freund … das passt auch ganz gut mit den Kindern im Haus. Wenn einmal richtig viel zu tun ist, dann kann es schon sein, dass ich ein Hörspiel aus meiner Kindheit einwerfe … das läuft nebenher und sorgt für eine gewisse Wohlfühlatmosphäre und mein Kopf wird schön frei. Ruhe brauch ich eigentlich nur, wenn ich was schreibe.

Bei den vielen Projekten, die du bisher gemacht hast, gab es doch sicher Eines, dass dir am meisten in Erinnerung, positiv oder negativ, geblieben ist. Würdest du uns dieses spezielle Projekt verraten?

Wirklich negative Erfahrungen hab ich ehrlich gesagt kaum gemacht. Manche Projekte sind mühsamer, klar … aber eigentlich haben wir immer noch das Ziel erreicht. Sehr positiv war zum Beispiel Port Royal. Das ist ja ursprünglich als „Händler der Karibik“ beim österreichischen Spielemuseum erschienen. Ich hatte da im Grunde freie Hand und das Spiel ist innerhalb recht kurzer Zeit entstanden … dass es so gut ankommt und die ganze Ikonographie eigentlich gut passt, ist eine schöne Bestätigung. Isle of Skye ist – nicht nur wegen der Auszeichnung zum Kennerspiel des Jahres – auch ein schönes Beispiel: Das lief extrem rund, alle hatten eine sehr ähnliche Vorstellung, wie das am Schluss aussehen und sich anfühlen sollte.

Wie jeder Kreative wirst auch du sicher ein bestimmtes Thema haben, dass dir besonders liegt. Welches Thema bedienst du am liebsten bei der Arbeit an Spielen?

Hmmm, das kann ich jetzt so gar nicht sagen. Ich mag schon gerne immer wieder neue Themen oder Themen, die zwar neu, aber nicht zu weit weg von bestehenden Themen sind.

Du hattest mit Agricola das Glück, direkt einen fantastischen Start in die Branche zu schaffen und hier mittlerweile eine Menge Leute kennenzulernen. Du hast auch schon mit vielen bekannten Größen der Branche zusammengearbeitet. Gibt es dennoch jemanden mit dem du gerne mal zusammenarbeiten würdest?

Schauen wir, was sich noch so ergibt. Ich hab mich aber z.B. sehr gefreut, dass ich letztes Jahr Riverboat von Michael Kiesling machen durfte. Ich schätze seine Spiele sehr; die treffen bei mir einfach diesen Sweet-Spot zwischen Anspruch und Flow.

Jetzt bringen wir es auf den Punkt...unsere Kurzfragerunde an dich, Klemens:

  • Welche Farbe ist „deine“ Farbe beim Spielen?

gelb

  • Welche Musik sollte bei deinem Sieg gespielt werden?

Raiders March (Indiana Jones)

"Mit dieser Antwort hast du dich bei mir sehr beliebt gemacht :)"

  • Für welches Spiel darf man dich nachts um drei wecken?

Defenders of the Realm

  • Welches Spiel kommt dir nie und nimmer auf den Spieltisch?

Oh. Das sag ich nicht.

  • Eher Sammler oder Spieler?

Sowohl als auch.

  • Am Spieltisch essen:  ja oder nein?

Hängt von den Mitspielern ab.

  • Mit welcher historischen Persönlichkeit würdest du gerne mal spielen und was?

Ist Alex Randolph schon eine historische Persönlichkeit? Ich durfte zwar schon ein Spiel von ihm illustrieren, aber ich bin erst in die Spielebranche gekommen, nachdem er sie verlassen hatte. 


Klemens, wir bedanken uns bei dir für deine Zeit und den Blick hinter die Kulissen. Du hast uns einen tollen Einblick verschafft und ich bin mir sicher, dass bald die nächste Spiel mit deiner Illustration bei uns als Neuheit glänzt.

Wir hoffen, Euch hat der kleine Ausflug hinter die Kulissen Spaß gemacht. Für uns jedenfalls ist es sehr interessant gewesen einmal nicht über das Spiel an sich zu berichten, sondern einen Teil der Entstehung erklärt zubekommen. Nochmals großen Dank an Klemens Franz und Euch vielen Dank fürs Lesen.

Bis zum nächsten Mal
und bis bald

Euer SpieleTaxi

Quelle des Bildes: Helmut Lunghammer mit freundlicher Genehmigung von Klemens Franz